Vor 200 Jahren, vom 16. bis 19. Oktober 1813, fand die später sogenannte Völkerschlacht bei Leipzig statt. An vier Schlachttagen und in den Tagen danach starben an die 120.000 Menschen ausgesprochen elend, und das oft im Glauben, die Welt vielleicht etwas zu bessern.


Nicht nur der Tod unzähliger Menschen, Verwüstungen und Hungersnöte waren Ergebnisse dieser Massenschlachte. Auch die Hoffnungen vieler freiwilliger Kämpfer, die nicht nur von Napoleon sondern auch von ihrer Unterthänigkeit befreit sein wollten, wurden schwer enttäuscht. Die alten Monarchien nutzten die Opferbereitschaft und die Hoffnungen vieler Soldaten und Freiwilliger für den eigenen Machterhalt aus. Nachdem Napoleon besiegt war, wurde die alte Ordnung wieder befestigt. Für die liberalen Teile der Bevölkerung in den deutschen Kleinstaaten war das eine große Tragödie. Daher ist die Rede von den „Befreiungskriegen“, was Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit und Einigung angeht, nicht ganz richtig. Die französische Revolution hatte den deutschen Ländern zwar einige Verbesserungen in Verwaltung und Rechtsprechung gebracht, aber die napoleonische Besatzung mit ihren Abgabenlasten und Zwangsrekrutierungen brachte schließlich viele Deutsche gegen Frankreich auf.


Heute, 200 Jahre danach, bemüht man sich, das monströse und patriotische Leipziger Völkerschlachtdenkmal von 1813 in ein „europäisches Friedensdenkmal“ umzuwidmen. Vor dem Hintergrund deutschen Hegemonialverhaltens und nationaler Vorteilsnahmen in der Europäischen Union erscheint das seltsam. Wenn im Oktober vor diesem, mit 20 Millionen Euro sanierten, Helden-Denkmal und bei den Reenactment - Darstellungen das Lied von der Völkerfreundschaft gesungen wird, dann stellt sich die Frage, was damit tatsächlich gemeint ist. Denn ständig wird von einer großen „Identifizierung“ der Leipziger Bevölkerung mit „ihrem Denkmal“ gesprochen. Aber womit identifizieren sich die Bürger eigentlich? Mit einem Monstermaskottchen oder tatsächlich mit den uneingelösten Maximen einer freien und brüderlichen Welt? Was aus den, teilweise auch erschreckenden Forderungen der Freiheitskämpfer und aus denen der Französischen Revolution geworden ist, wie man sich heute in Europa tatsächlich benimmt und was man sonst so in der Welt treibt, z.B. Preiskriege auf Kosten von sogenannten Billiglohnländern, Rohstoffkriege, Kriegshilfen durch Waffenexporte etc., das wirklich zu fragen, ist für die Befeierung des schönen Friedens womöglich etwas zu anstrengend.

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