ANEIGNUNG VON THEATER ALS FREIE GESELLSCHAFTLICHE PRAXIS


Freiwillige Teilnehmer mobilisieren sich zur ISLF:

International Shattered Liberation Force

(Internationale aufgeriebene Befreiungskräfte)


an den Tagen der Völkerschlacht vom 17.–20. Oktober 2013.



Dieser ISLF genannte Haufen will das Kriegs-Reenactment, welches um Leipzig stattfinden wird, unterlaufen.

Die ISLF bildet den Schatten zum frischen und disziplinierten Kompanien-Aufgebot. Die ISLF versucht, ohne einen Anspruch auf historische Authentizität bzw. getreue Abbildung, jenes Bild aufzugreifen, in dem die verlorenen, zurückgelassenen, unbeachteten und unglücklichen Kriegsverlierer enthalten sind. Die ISLF ist das geschlagene Bataillon. Die Ordnung ist aufgelöst, die Stimmung desillusioniert.


Dabei geht es nicht nur um die Zeit um 1813, sondern um eine generelle und symbolische Konfrontation heutiger, friedlicher, sicherer Alltäglichkeit mit den kaputten „Helden“, die als der Abfall von „Geschichte“ plötzlich vor der Tür stehen: Eine Theaterperformance für Leipzig zur Erinnerung an die Völkerschlacht.


Zur Realisierung dieser Theaterperformance, rufen wir Freiwillige aller Nationen zur Teilnahme auf! Jeder, der sich zutraut, in dieser Performance mitzuspielen – als Spieler und als er selbst! – ist aufgerufen, zu kommen!


Die Mitstreiter/Mitspieler der ISLF orientieren sich an den Beschreibungen, die von geschlagenen Armeen überliefert sind: ausgehungerte, verdreckte, ängstliche und heimatferne Menschen. Sie haben Wunden und Ausschläge, tragen Uniformreste und zerschlissene, oft zusammengeraufte „Kleidung“ – beispielsweise Decken, Umhänge, Gardinen, Teppiche, Pelzreste, alles was wärmt und schützt. In der Ausstattung der Teilnehmer sind Anleihen an heutige Konflikte durchaus erwünscht!


Es werden weiße Armbinden getragen, beschriftet mit je einer Parole aus dem Völkerschlachtdenkmal (Allegorien in der Ruhmeshalle): „Tapferkeit“, „Glaubensstärke“, „Volkskraft“, „Opferbereitschaft“ oder je eine Parole der Französischen Revolution: „Freiheit“, „Gleichheit“, „Brüderlichkeit“.


Die ISLF wandert um und durch Leipzig auf historischen Routen. Wir gehen durch Dörfer und Orte, die Schauplätze des damaligen Kriegs- und heutigen Spektakelgeschehens waren und sind. Unverhofft trifft die Schar bei Veranstaltungen und in den Ortschaften ein, verspeist, was sie bekommen kann, campiert in Scheunen, auf Dorfplätzen oder auf offenem Feld. Die Versorgung des Haufens ist dabei abhängig von der Zuwendung und der Kooperation der Bevölkerung.


Achtung: Die Performance ist keine Faschings- und Kostümveranstaltung! Die Performance ist kein Rollenspiel! Die Performance verhält sich nicht konfrontativ zu den Jubiläumsveranstaltungen und zu den Einwohnern, deren Haltung voraussichtlich skeptisch und ablehnend sein wird. JederTeilnehmer/jede Teilnehmerin ist eingeladen, seine/ihre Position, die sich mit der Performance und der eigenen Rolle decken sollte, bei Kontakten mit der Leipziger Bevölkerung zu erläutern. Die Performance stellt also nicht nur hohe körperliche, sondern auch soziale Anforderungen!


Alle Regeln unter TEILNAHME: REGLEMENT


Die Herausforderung besteht darin, die Rolle zu spielen, aber eben nicht, in sie zu verfallen. Das Gleiche gilt auch für die Dynamik der ganzen Performance-Gruppe.


Das Wesensmerkmal von Reenactment, nämlich die Einnistung im Historischen als Vergangenes, soll


  1. 1.durch Auflösung der historischen Einordbarkeit der Performancegruppe (Kleidung/Verhalten),

  2. 2.durch direkte Inszenierung der negativen Kriegserzählung in die heutige Alltagswelt, sowie

  3. 3.durch kritische Distanz zur eigenen Spiel-Rolle und zur Rolle von Histotainment in populärer Erinnerungskultur


aufgebrochen werden.



Alle Informationen zur Teilnahme unter: TEILNEHMEN

zurückStart.html